Christine \ Tina = ChrisTina


Christl


Von Kindesbeinen an Christl gerufen, wuchs ich sehr beschützt und behütet auf, durfte weder mit FreundInnen irgendwo hin fahren, geschweige denn, bei jemand anderen übernachten. Ich kam nie auf die Idee, auf einen Baum zu klettern, das höchste der Gefühle war, hinterm Haus auf der Teppich-Klopf-Stange zu schaukeln.

Meine Beschütztheit ging so weit, dass mich mein Großvater noch zum Zug begleitete, als ich bereits die HAK in Wiener Neustadt besuchte. Mit 17 durfte ich das erste Mal mit zwei Jungs zelten fahren - ich war total überrascht, viel später realisierte ich dann, dass zwei Jungs sicher ungefährlicher sind, als ein einzelner - außerdem hätte meine Mutter den einen gerne als Schwiegersohn gehabt.

Doch sie bekam einen anderen. Ich lernte ihn in meinem letzten Ausbildungsjahr zu Silvester kennen, im Frühjahr 1977 wurde ich schwanger, nach der Matura heirateten wir und zu Silvester bekam ich meine Tochter. Diese Ehe war für mich eine Flucht von zu Hause weg - und endete im Chaos - ich kam vom Regen in die Traufe und Ende 1980 zog ich die Konsequenz, zog aus - und kehrte zu meinen Eltern zurück für ein Jahr.


Christine


Jetzt war mir klar, dass ich mein zukünftiges Leben in Freiheit und Unabhängigkeit verbringen würde - und es dauerte insgesamt 6 Jahre, bis ich mich ein zweites Mal in das Abenteuer Ehe stützte.  Diesmal war es nicht das unbändige leidenschaftliche Verlangen, sondern das Gefühl der Geborgenheit, dass mich in die Arme meines zweten Mannes trieb.

Und wir waren über lange Jahre ein vorbildliches Ehepaar und gute Freunde. Als ich 1993 meinen Job verlor und in Folge beschloss, mich selbständig zu machen, stand er voll hinter mir und legte mir absolut nichts in den Weg, um mich selbst und meine Ziele zu verwirklichen.

Ich wurde EDV-Trainer, 1995 holte ich mir den entsprechenden Gewerbeschein, eröffnete einen eigenen Schulungsraum, 1998 besorgte ich mir den zweiten Gewerbeschein für meine esoterischen Tätigkeiten, 1999 gab ich meinen Schulungsraum wieder auf. Bei all diesen Aktivitäten stand mein Mann voll hinter mir.

Er ging sogar noch weiter und beschäftigte sich mit meinen esoterischen Themen,  besuchte meine Seminare, fuhr bei auswärtigen EDV-Seminaren mit, bemühte sich, so oft als möglich in meiner Nähe zu sein. Doch irgendwie fehlte mir etwas, ich war zwar Teil seines Lebens, aber irgendwie fühlte ich mich als selbstverständliches Inventar.

Und ich konnte es ihm auch nicht sagen, habe es nie gelernt, über Dinge, die mir wichtig sind, frei und offen zu reden - ich war immer viel zu vorsichtig, damit ich niemanden verletze und so lebten wir nebeneinander, unternahmen auch einiges zusammen, doch ich fragte mich immer öfter, ob dies jetzt alles ist, was mir das Leben noch zu bieten hat.

Beruflich konnte ich nicht klagen - ab dem Zeitpunkt, wo ich den Seminarraum kündigte, liefen meine Geschäfte besser den je - nur privat suchte ich nach einer Bestätigung als Frau.


Tina


Im Sommer 1999 fand ich im Internet ein Diskussionsforum über ein Thema, das mich irgendwie nicht mehr los lies. Doch wollte ich nicht mit meinem realen Namen einsteigen - der Nick war schnell gefunden - und über www.a-topmail.at besorgte ich mir auch eine entsprechende EMail-Adresse, doch dort musste ich mich irgendwie anmelden - also schrieb ich Tina.

Und in den nächsten Wochen und Monaten schrieb ich inkognito - lernte viele liebe Menschen kennen - Frauen und Männer, mit denen ich mich dann auch real traf.  Ich lebte ein zweites Leben als Tina - eine unabhängige, selbstbewusste Frau, die es auch ganz ungeniert wagte, ihre Wünsche und Phantasien zu benennen und sie auch zu leben.

Eine dieser Internet-Bekanntschaften wurde über die Monate hinweg zu einer wirklich guten Freundin - virtuell und real. Es gab aber auch zwei Männer, mit denen ich intensiv chattete. Der eine ist aus Deutschland, der zweite aus Wien. Beiden habe ich viel zu verdanken, sie haben mir beide geholfen, wieder zu mir selbst zu finden, mich selbst wieder zu akzeptieren.

Der Kontakt zu meinem Wiener wurde im November 1999 immer intensiver - wir schrieben über meine Wünsche und Träume genauso wie über seine Phantasien - bauten uns gegenseitig auf, wenn es uns schlecht ging. Mitte November trafen wir uns das erste Mal real.

Anlässlich eines intensiven psychologischen Seminars wurde mir schlagartig bewusst, dass mir mein Leben als Tina weit besser gefiel, als mein - nur beruflich erfolgreiches - als Christine. Also begann ich den schon länger grassierenden Gedanken an Veränderungen weiter zu spinnen.


ChrisTina


Mitte Jänner verbrachte ich die erste Nacht mit meinem Wiener und Mitte Februar beschlossen wir, unser Leben in Zukunft gemeinsam zu leben. Und durch und mit ihm verschmilzt auch die beruflich selbständige und erfolgreiche Christine mit der privat zufriedenen und glücklichen Tina. Wir träumen unseren gemeinsamen Traum - und wir sind auf dem besten Wege, ihn gemeinsam realisieren.